Worüber unser CEO spricht:
- Was ist Open Source? Die Bedeutung ohne Tech-Jargon
- Open Source Lizenzen: GNU, MIT und die Hierarchien
- Was bedeutet Open Source nicht? Die häufigsten Missverständnisse
- Open Source Software, Sicherheit und Code-Eigentum
- Wann Open Source nicht die richtige Wahl ist
- Open Source First: Wie alles bei Lincoders begann
Was ist Open Source? Eine Erklärung ohne Tech-Jargon
Bevor wir tiefer in Lizenzen, Sicherheit und Geschäftsmodelle eintauchen, beginnen wir mit der grundlegendsten Frage: Was bedeutet Open Source eigentlich — und was nicht?
Wie würdest du Open Source jemandem erklären, der nicht technisch ist — deiner Mutter oder deinem Steuerberater?
Was mich an Open Source so fasziniert, ist nicht der Gratisgedanke — der ist natürlich auch toll. Aber vor allem, dass ich die Software auf meine Bedürfnisse adaptieren kann, dass ich wirklich Zugriff habe, weiß, wie das Ding funktioniert, und es reparieren kann.Es ist wie eine alte Waschmaschine oder ein alter VW Käfer — die konnte man ohne große Anleitung selber reparieren. Heutzutage wird das immer schwieriger und schwieriger.
Was sollen die Leute über Open Source wissen?
Um Missverständnisse zu klären: Open Source bedeutet nicht gratis. Das ist für viele immer ein Problem. Sie glauben, sie verdienen nichts mit Open Source — aber das stimmt nicht. Man kann ganz normale Lizenzmodelle genauso darauf anwenden. Das ist der große Unterschied zwischen „Free Beer" und „Free Software".
Was auch wichtig ist: Von der Sicherheit her sind Open Source Produkte deutlich sicherer als proprietäre Software. Security Leaks kann man schneller finden — gerade in Zeiten von AI. Jeder kann Fixes beisteuern. Das ist sehr viel unbezahlte Arbeit, aber: die Community ist stärker als das Individuum.
Und deswegen sehen wir heute, dass 90% aller wichtigen Server auf Linux laufen, Android auf den Mobile Phones läuft. Sämtliche guten Produkte im Developer-Bereich sind Open Source, von VS Code angefangen. Auch Microsoft — einer der größten Gegner von Open Source in der Vergangenheit — hat sich zu einem der wichtigsten Contributor entwickelt.
Open Source hat schon gewonnen. Keiner sollte auf der Verliererseite stehen.
Open Source Lizenzen: GNU, MIT und die Hierarchien
Wer entscheidet eigentlich, was als Open Source gilt? Und gibt es Abstufungen, wie offen eine Software wirklich ist?
Gibt es eine „Open Source Police"?
Ja, es gibt mehrere. Von Linux-Seite her gab es geschichtlich gesehen ein Movement: die Free Software Foundation. Die hat die ersten Lizenzmodelle entwickelt, die Dinge wie Linux überhaupt erst ermöglicht haben.
Es gibt GNU, es gibt GNU 2, es gibt die MIT Lizenz. Heutzutage ist die MIT Lizenz auch die häufigst verwendete im Open Source Umfeld.
Aber bitte keine rechtlichen Fragen — ich bin kein Anwalt. 😆
Gibt es Hierarchien? Ein Ranking, wie offen eine Software sein kann?
Würde ich sagen: Nein, gibt es nicht. Nicht, dass ich wüsste.
Bei Produkten, die öffentlich zugänglich sind, hast du eh schon das Wording „Open Source" drauf. Dementsprechend musst du gewisse Bedingungen erfüllen: Unter anderem muss der Source Code irgendwie gehostet sein, er muss auch funktionstüchtig herunterladbar sein.
Und dann gibt es eben solche falschen 50er, die sagen: „Wir sind eigentlich Open Source in the Core, aber du kannst es nur verwenden, wenn du eine proprietäre Lizenz erwirbst." Und der eigentliche Source Code, den du vielleicht adaptieren möchtest, ist geschlossen — nur der Kern ist offen.
Diese Tradeoffs muss man sich anschauen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Nur weil jemand sagt „Ich habe ein Open Source Produkt", heißt das nicht, dass das Produkt dadurch automatisch gut ist. Genauso wenig — proprietäre Software, da gibt es sehr, sehr gute da draußen. Für mich ist immer die Entscheidungsfreiheit wichtig: Was mache ich mit meinen Daten? Wie will ich mit meinen Daten umgehen? Und da habe ich mit Open Source immer einen Vorteil.
Was bedeutet Open Source nicht? Die häufigsten Missverständnisse
Die meisten Kunden bringen Annahmen über Open Source mit, die schlichtweg falsch sind. Und nicht jedes Produkt, das sich „Open Source" nennt, verdient diesen Titel auch.
Was verstehen die meisten Kunden falsch an Open Source, wenn sie zum ersten Mal zu euch kommen?
Kompliziert, schwierig, Hacker, Produkt nicht stabil, gratis, nicht professionell.
Und das ist alles Schwachsinn.
Ihr habt euch das Open Source Produkt Plane angeschaut. Mir ist aufgefallen: Ich kann es nicht forken und die UI ändern, ohne einen Fork zu machen. Wie geht man damit um?
Du hast die Möglichkeit zu forken. Das heißt: Ab diesem Zeitpunkt hast du den Code kopiert und kannst von dort aus weitermachen.
Was bei Plane der Fall ist — warum ich Plane nicht als super Werkzeug oder Vorreiter in der Open Source Community ansehe — ist, dass sie auf ein Closed Source Prinzip setzen. Sie haben den Kern Open Source gemacht, alles drumherum Closed Source. Das ist die falsche Ideologie beziehungsweise etwas falsch angefärbelt und verkauft.
Man hat zuerst allen Code genommen, was nur geht von der Open Source Community — und jetzt versucht man, es kommerziell voranzutreiben, auch um gegen AI zu schützen. Das nehmen sie als Ausrede. Das sind die falschen Argumente. Ich glaube, dass solche Produkte über kurz oder lang einfach rausfallen werden und leider verlieren.
Wenn wir von Open Source reden, geht es uns schon darum, dass auch von der Architektur her das Ganze so gebaut wird, dass man wirklich Dinge dazu bauen und integrieren kann. Die Adaptionsrate ist einfach das wichtigste Gut in Softwareprodukten. Die Agilität muss gewährleistet sein — und das können wir nur, indem wir mit offenen Standards arbeiten.
Open Source Software, Sicherheit und Code-Eigentum
Wer besitzt eigentlich den Code, den wir für Kunden schreiben? Und ist es nicht riskant, alles offen zu legen?
Wenn ein Kunde euch beauftragt, etwas zu bauen — wem gehört es dann?
Grundsätzlich dem Kunden zuerst. Wir versuchen, den Kunden dahingehend zu erziehen, dass er Copyleft macht, damit wir den Code auch der Community zugutestellen können. Aber das kommt leider von Vertrag zu Vertrag drauf an.
Gibt es Sicherheitsrisiken, wenn man den Code zur Verfügung stellt?
Natürlich gibt es Security-Bedenken — vor allem bei Domänen-Know-how. Man muss variieren und schauen: Was kann der Community wirklich zugutekommen, und was ist wirklich Geheimnis für die Firma und sollte nicht nach außen gehen.
Erzähl uns von einem Moment, in dem euer Team einen Fix an ein Open Source Projekt zurückgespielt hat.
Es gibt etliche, aber ich gehe auf den letzten Fall ein. Wir haben selber ein neues Produkt ausprobiert — Open Source, noch in den Kinderschuhen, aber schon sehr weit. Wir haben ein Problem gehabt und es selber gefixt. Und das ist die Magie an Open Source.
Du hast alle Möglichkeiten: Du kannst den Fix nur für dich selber verwenden. Du kannst ihn der Community zurückgeben. Die Community kann darauf aufbauen, vielleicht noch was Besseres draus machen, reviewen. Das heißt: Das beste Produkt entsteht dadurch, dass viele Leute zusammenarbeiten und mitwerkeln.
Wann Open Source nicht die richtige Wahl ist
Auch wir empfehlen nicht in jedem Fall Open Source. Ehrlichkeit gehört dazu.
Gibt es Momente, in denen Open Source für einen Kunden nicht die richtige Antwort ist?
Wird es sicherlich geben. Es gibt auch Produkte, die im proprietären Bereich deutlich weiter sind, die vielleicht für den Kunden dadurch besser geeignet sind. Aber es kommt auf den Anwendungsfall an. Ich kann es nicht ausschließen.
Open Source First: Wie alles bei LEAN-CODERS begann
Zum Abschluss die persönliche Geschichte hinter unserer Entscheidung — und warum sie für uns nie wirklich eine Wahl war.
Wann bist du persönlich zum ersten Mal mit Open Source in Berührung gekommen?
Mit freier Software schon sehr früh — vor allem im Bereich Freeware und Shareware. Aber Open Source per se kam dann auf der TU Wien in mein Leben. Da kam Linux in mein Leben, und ja — eine sehr, sehr große Liebe bis heute. Ich bin immer noch auf Linux unterwegs.
Wann hast du entschieden, dass Lincoders Open Source First sein soll?
Geschichtlich komme ich aus dem Microsoft-Umfeld. Dementsprechend habe ich viele Jahre Microsoft-Produkte promotet und auch bei Kunden eingesetzt.
Und da sah ich genau diese Problemstellungen beim Kunden vor Ort: dass sie gerne Dinge adaptiert gehabt hätten, dass es irgendwelche Probleme gegeben hat in der Software. Die gibt es immer. Und als Entwickler möchte man eigentlich diese Probleme auch fixen. Nur leider konnte ich sie nicht fixen, weil eben kein Zugang zum Code da war.
Und dementsprechend war für mich klar: Wenn wir Software anbieten, dann die beste Software für den Kunden — die wir auch unter Kontrolle haben.
Das ist erst der Anfang
In den kommenden Wochen veröffentlichen wir das vollständige Video-Interview Stück für Stück auf LinkedIn. Folge uns, um keine Folge zu verpassen — und teile diesen Artikel, wenn du jemanden kennst, der immer noch glaubt, Open Source bedeutet „gratis".